Was will die Verkehrsinitiative Interlaken?

Die Verkehrsinitiative Interlaken will in erster Linie die Öffnung des «Schlauchs» und somit einen neuen Verkehrsrichtplan. Massnahmen, wie die angestrebte Verkehrsberuhigung in den Quartieren erreicht werden soll, zeigt die Initiative keine auf.

Initiativtext

Der Grosse Gemeinderat wird beauftragt innert 2 Jahren einen Verkehrsrichtplan auszuarbeiten, wobei die Bahnhofstrasse und der Höheweg ganzjährig durchgehend mit Motorfahrzeugen aller Art befahrbar sind und die Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

10 Argumente gegen die Schlauchinitiative

Mit dem Verkehr verhält es sich wie mit Wasser: Er sucht sich den kürzesten und hindernisfreisten Weg. Mit einer durchgehenden Öffnung des «Schlauches» für Motorfahrzeuge aller Art schaffen wir zwar eine attraktive Verkehrsverbindung zwischen Ost und West, aber diese wird nicht nur von den Einheimischen genutzt, sondern auch von über 200 Reisebussen pro Tag, zahlreichen Touristen in Mietautos und zahlreichen Einwohnern der umliegenden Gemeinden Matten und Unterseen.

Wir öffnen also Tür und Tor für mehr Verkehr im Zentrum. Und bei mehr Verkehr im Zentrum steigt zwangsläufig auch der Mehrverkehr auf den angrenzenden Quartierstrassen.

Alle wollen auf dem kürzesten Weg an Ihr Ziel. Eine direkte Verbindung zwischen West und Ost ist zwar attraktiv, der «Schlauch» ist jedoch ein Nadelöhr: Mit einer Strassenbreite von nur 5 Metern ist das Kreuzen von zwei Reisebussen oder einem Reisebus und einem Privatauto unmöglich. Die Fahrzeuge drängen Velofahrer ab oder weichen auf die Trottoirs aus und gefährden damit die Fussgänger.

Die Folge: Unübersichtliche Verkehrssituationen führen zu Staus. Das Nadelöhr wird umfahren, der Verkehr landet in den angrenzenden Quartieren.

Die Strassenbreite von 5 Metern erlaubt kein Kreuzen von Reisebus und Privatauto. Fahrradfahrer werden an den Strassenrand und auf die Trottoirs gedrängt. Trottoirs müssen zum Kreuzen überfahren werden, was wiederum die Fussgänger gefährdet.

Hinzu kommt die unübersichtliche Situation auf dem Postplatz. Diese ist bereits jetzt nicht befriedigend. Kommen aber noch zwei weitere Verkehrsachsen hinzu, wird sie untragbar. Eine Rückkehr zum Postplatzkreisel ist auch keine Lösung: Die Rückstaus vom Bahnhof West bis hin zum Postplatz wären wieder da.

Die Bevölkerung hat sich an den «Schlauch» gewöhnt und lebt immer besser damit. Darüberhinaus liegt heute der Bericht einer Kommission vor (siehe Schlussbericht nst Kommission Verkehr, PDF 1,4 MB), der Massnahmen für PW und Reisebusse vorschlägt. Die Umsetzung dieser Massnahmen könnte innert kürzester Frist erfolgen.

Das Erarbeiten eines neuen Richtplans erfordert viel Zeit und ist auch finanziell aufwändig. Es müsste wieder von vorne begonnen werden. Es müssten an verschiedenen Stellen bauliche Anpassungen vorgenommen werden. Für diese Kosten müsste die Gemeinde Interlaken vollumfänglich aufkommen und die Gemeinde würde riskieren, Bund und Kanton einen Teil jener Gelder rückerstatten zu müssen, die diese für die Realisierung des geltenden Richtplans ausgerichtet haben (siehe Stellungnahme Ecoptima Abklärungen Verkehrsrichtplan Bödeli, PDF 4 MB).

Wird der «Schlauch» für den Verkehr geöffnet, bleiben zum Flanieren nur die sonst schon schmalen Trottoirs. Diese werden vom Durchgangsverkehr auch noch für Ausweichmanöver genutzt. Mehr Reisebusse, mehr Autos, mehr Abgase und vermehrt gefährliche Situationen: Statt «flanieren», heisst es nun «fliehen», das Zentrum verliert an Attraktivität und die Geschäfte und Restaurants an Kunden.

Von der Öffnung des Schlauchs proftieren nur ganz wenige Geschäfte, nämlich jene, deren Kundschaft in Cars anreisen können. Für die andern bedeutet diese Öffnung weniger Passantenverkehr, da dieser Strassenabschnitt weniger attraktiv wird.

Niemand will, dass das Zentrum zu einem einzigen, grossen Busbahnhof wird. Cars müssen auf attraktive, dezentrale Plätze geleitet werden. Von dort aus können die Touristen auf attraktiven Strassen oder Parkanlagen ins Zentrum geleitet werden.
Heute bestehen effiziente Umfahrungsachsen. Diese können situativ sogar verbessert werden. Ohne Schlauch wird dieses Verkehrskonzept hinfällig, da der Verkehr wieder durch das Zentrum fahren wird.
Die Bevölkerung wünscht sich einen effizienten und fahrplansicheren öffentlichen Verkehr. Dieses setzt allerdings voraus, dass die ÖV-Busse möglichst hindernisfrei verkehren können. Stau im «Schlauch» heisst «Warten auf Godot».

Ein neuer Verkehrsrichtplan bedeutet nicht einschätzbare finanzielle Risiken: In die bisher umgesetzten Verkehrsmassnahmen sind Bundes- und Kantonsgelder geflossen. Diese können zurückgefordert werden, was schlussendlich die Steuerzahlenden trifft. (siehe Stellungnahme Ecoptima Abklärungen Verkehrsrichtplan Bödeli, PDF 4 MB).